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Discovery22. Februar 202618 Min Lesezeit

Discovery: Kaufmotive statt Bauchgefuehl

Warum die meisten Websites nicht wegen Design scheitern, sondern wegen fehlender Klarheit vor dem ersten Layout.

Viele Unternehmen investieren zuerst in Optik und hoffen auf bessere Ergebnisse. Das Problem liegt meist frueher: Niemand hat praezise entschieden, fuer wen die Website zuerst arbeitet, welches Angebot priorisiert wird und welche Beweise den Unterschied machen.

Discovery ist kein Vorgespraech. Discovery ist das Fundament, auf dem Design, Technik und Wachstum anschliessend ohne Reibungsverluste arbeiten koennen.

Kapitel 01

1. Briefing sammelt Infos, Discovery trifft Entscheidungen

Ein klassisches Briefing ist nuetzlich, aber es beantwortet selten die kritischen Prioritaetsfragen. Es beschreibt den Status quo, trifft jedoch nicht den strategischen Cut, der aus Information eine belastbare Richtung macht.

Discovery ist deshalb kein extra Workshop fuer die Dokumentation, sondern ein Entscheidungsprozess. Ziel ist nicht Vollstaendigkeit, sondern Relevanz: Was ist fuer den Umsatz in den naechsten 90 Tagen wirklich entscheidend?

Wenn Teams nach Discovery noch drei primaere Zielgruppen und vier gleichwertige Angebote nennen, wurde nicht entdeckt, sondern nur gesammelt.

  • Eine primaere Zielgruppe klar benennen
  • Ein Fuehrungsangebot fuer den Einstieg definieren
  • Ein klares Erfolgsziel fuer 90 Tage festhalten

Kapitel 02

2. Das Entscheidungsmodell: Ziel, Problem, Beweis, Aktion

Ein robustes Discovery-Modell muss in Design, Text und Entwicklung uebersetzbar sein. Wir arbeiten dafuer mit vier Ebenen: Geschaeftsziel, Nutzerproblem, Beweisfuehrung und naechste Aktion.

Geschaeftsziel heisst nicht abstrakt Wachstum, sondern konkrete Metrik. Nutzerproblem bedeutet nicht Wunschprofil, sondern reale Situation vor der Anfrage. Beweisfuehrung reduziert Risiko. Aktion entfernt Reibung.

Wenn diese vier Ebenen konsistent sind, werden spaetere Entscheidungen leichter. Content und UI folgen dann einer argumentativen Logik statt Geschmack.

  • Ziel: Welche Kennzahl muss sich in 90 Tagen veraendern?
  • Problem: Welches akute Szenario erlebt der Nutzer heute?
  • Beweis: Welche Signale schaffen Sicherheit?
  • Aktion: Was ist der kleinste naechste Schritt?

Kapitel 03

3. Zielgruppen-Schaerfung statt Zielgruppen-Sammlung

Die haeufigste Fehlerquelle ist Gleichbehandlung. Fuenf Segmente werden auf einer Seite parallel adressiert, wodurch keine Botschaft wirklich sitzt. Ergebnis: Alle fuehlen sich ein bisschen gemeint, aber niemand klar getroffen.

Discovery priorisiert. Das Segment mit dem hoechsten wirtschaftlichen Hebel bekommt den staerksten Messaging-Fit auf Start- und Leistungsseite. Sekundaere Segmente werden ueber eigene Pfade abgeholt.

Diese Trennung fuehlt sich anfangs riskant an, steigert aber Relevanz. Relevanz ist der schnellste Hebel fuer bessere Conversion.

Kapitel 04

4. Angebotsarchitektur: Einstieg, Kernleistung, Ausbau

Nicht jedes Angebot eignet sich als Frontdoor. Gute Einstiegsangebote sind konkret, risikoarm und schnell erklaerbar. Die Kernleistung darf komplexer sein, braucht dann aber einen klaren Uebergang aus dem Einstieg.

Discovery strukturiert Angebote in Ebenen: Einstieg fuer Erstkontakt, Kernleistung fuer Werttiefe, Ausbau fuer langfristige Partnerschaft. Diese Architektur steuert CTA-Logik und Seitenfluss.

Ohne diese Ordnung konkurrieren Angebote auf jeder Seite gegeneinander. Das verlaengert Entscheidungen und senkt Anfragen.

  • Ein Einstiegsangebot mit geringer Einstiegshuerde definieren
  • Kernleistung mit klarem Outcome formulieren
  • Uebergang von Einstieg zu Kernleistung explizit planen

Kapitel 05

5. Messaging-Matrix gegen austauschbare Aussagen

Aussagen wie "qualitativ", "zuverlaessig" oder "persoenlich" sind ohne Kontext austauschbar. Eine Messaging-Matrix zwingt zu konkreten Formulierungen aus Sicht des Nutzers.

Pro Segment definierst du Spannung, Versprechen und Beleg. Daraus entstehen Headline-Varianten, Hero-Subline, CTA-Texte und FAQ-Module mit konsistentem Ton.

Die Matrix verhindert Widersprueche zwischen Vertrieb, Website und Content. Alle sprechen dieselbe Story in unterschiedlichen Formaten.

  • Pro Segment genau ein Kernversprechen formulieren
  • Jedes Versprechen mit mindestens einem Beleg verbinden
  • Claims ohne Nachweis konsequent streichen

Kapitel 06

6. Proof-Stack: Vertrauen systematisch aufbauen

Vertrauen entsteht durch Wiederholung aus verschiedenen Winkeln. Kennzahlen, Cases, Prozessklarheit, Reaktionszeiten und Kompetenzsignale sollten sich ueber die Seite hinweg staffeln.

Der Proof-Stack muss frueh starten. Wenn Beweise erst kurz vor dem Kontaktformular auftauchen, sind viele Nutzer bereits abgesprungen.

Discovery definiert deshalb nicht nur welche Beweise existieren, sondern wo sie in der Journey maximal wirksam sind.

Kapitel 07

7. Seitenpriorisierung fuer schnelle Wirkung

Ein Discovery-Output ohne Umsetzungsreihenfolge ist zu weich. Es braucht eine klare Prioritaetsliste: welche Seiten zuerst gebaut, getestet und optimiert werden.

Typisch ist ein Drei-Phasen-Plan: Kernflow zuerst, Vertiefung danach, Skalierung zuletzt. So entsteht frueh ein lauffaehiges Vertriebssystem statt ein endloses Projekt.

Mit jeder priorisierten Iteration wird die Website besser, weil Entscheidungen auf realem Nutzerverhalten aufbauen.

  • Phase 1: Startseite, Leistung, Prozess, Kontakt
  • Phase 2: Cases, Branchen, Detailleistungen
  • Phase 3: Content-Hub und Topic-Cluster

Kapitel 08

8. Discovery-Output, der Teams wirklich beschleunigt

Der finale Output ist kein langer Bericht, sondern ein handhabbares Entscheidungsdokument. Es beantwortet die Fragen, die Design, Text und Engineering fuer schnelle Umsetzung brauchen.

Wenn Discovery gut gemacht ist, sinken Abstimmungsschleifen drastisch. Weniger Rework, klarere Prioritaeten, schnellere Releases.

Discovery kostet Zeit am Anfang, spart aber ein Vielfaches in der Umsetzung. Vor allem dann, wenn mehrere Stakeholder beteiligt sind.